Ein schwarzer Künstler stellt fest, dass er zum Soldaten geworden ist. Als Kunstarbeiter betritt er die Bühne. Im Kampf um Repräsentation und Ressourcen erhält er eine Waffe und lernt, dass auch in der Kunst gilt: Die Befreiung der Okkupierten ist gleichzeitig der Schrecken der Besatzer. Doch ist Kulturkampf Krieg?
Wenige haben so luzide über die Gewalt in einer zersplitterten Welt geschrieben wie Frantz Omar Fanon. Ein Psychiater und Marxist aus Martinique, der überzeugt war, dass die Entmenschlichung durch den europäischen Kolonialismus nicht durch Verhandlung und Kompromiss überwunden werden könne, sondern nur durch
die Zerstörung desselbigen. Fanons Rechtfertigung der antikolonialen Gewalt wurde von Linken weltweit rezipiert, von der Black Panther Party bis zur RAF, und wird bis heute kontrovers diskutiert. Wann und in welchem Kontext ist es notwendig, Gewalt oder ihre Abwehr zu organisieren?
Auf der Bühne durchlebt der schwarze Künstler seine Transformation zum Soldaten
noch einmal. Im Zusammenspiel von Sprache und physischer Kraft des Schlagwerks
befragt er die historische Situation und sucht sein Verhältnis zur Gewalt.
Julian Warner ist ein deutsch-britischer Künstler und Kurator. Er war von 2023 bis 2025 künstlerischer Leiter des Brechtfestival Augsburg und verantwortete 2022 das Festival der KulturRegion Stuttgart. Davor entwarf er Festivals und Spektakel für das Künstlerhaus Mousonturm, die Münchner Kammerspiele u.v.a. Ihn verbinden langjährige Arbeitsbeziehungen mit der Konzeptkünstlerin Anta Helena Recke, der Choreographin Joana Tischkau und dem Musiker Markus Acher. Er ist Herausgeber eines Sammelbandes zu Problemen der postkolonialen Kritik in Deutschland “After Europe. Beiträge zur dekolonialen Kritik” (Verbrecher Verlag, 2021) und seit 2018 in Ausbildung zum Gruppenanalytiker am Seminar für Gruppenanalyse Zürich (SGAZ). Im Sommer 2025 erhielt er einen Ruf an die Hochschule für Musik und darstellende
Kunst Stuttgart (HMDK).
Im Rahmen von BEYOND REALITIES – Europäische Positionen
Gefördert durch das Kanton Freiburg
Konzept, Performance und Musik:
Julian Warner
Dramaturgie:
Veronika Maurer
Musik und Live-Schlagzeug:
Markus Acher
Stimme:
Veronica Burnuthian
Licht und Technik:
Dennis Dita Kopp
Künstlerische Produktionsleitung:
Sabine Klötzer
Übersetzungen:
Veronica Burnuthian, Anna McCarthy