Luca möchte nicht mehr allein leben. Bei ihrem WG-Casting stapfen Bewerber:innen mit ihren Rucksäcken voller Lebenskonzepte in die Küche. Musikstudium prallt auf Meditationszeit, Idealismus auf Bequemlichkeit, Gemeinschaftssinn auf das unbedingte Recht auf die letzte Hafermilch. Schnell gerät die fragile Ordnung ins Wanken. Der Mikrokosmos Küche wird zum Experimentierfeld gesellschaftlicher Fragen. Dabei geht es nicht nur um Miete und Ruhe, sondern um Erwartungen und Solidarität. Kann man alles teilen? Was ist gerecht? Und für welche Gemeinschaft lohnt es sich, ein Stück Freiheit aufzugeben?
Zwischen improvisierter WG-Demokratie und stillen Machtspielen sucht 583 EURO WARM nach Grundsätzen für funktionierende Zwischenmenschlichkeit im Zeitalter von Individualismus und Selfcare. Die neu gegründete Gemeinschaft versucht, es drinnen besser zu machen als die da draußen. Doch bekanntlich lauert hier, in der Sicherheit eines engen Wärmekreises, die Gefahr, das Denken der Gruppe zu
überlassen. Wie bekommt man beides unter ein Dach? 583 EURO WARM ist ein Plädoyer für Reibung und für das Ringen um demokratische Mini-Gesellschaften, die kritisch bleiben und sich dem aufsteigenden Faschismus widersetzen. Wer braucht noch Gemeinschaft, obwohl man einfach die Tür schließen könnte? Und was passiert, wenn wir sie nicht mehr öffnen?
Wir sind wir/r/wahr, eine Kompanie, die sich in der Uni, im Theater, im Zusammenleben gefunden hat. Im Zentrum steht für uns die Gemeinschaft, das gleichberechtigte Arbeiten, das gemeinsame Suchen und das Aushalten von Reibung. Wir verstehen Kunst als Raum, in dem sich Menschen begegnen und Widersprüche nebeneinander bestehen dürfen. Jetzt, wo alles nach Struktur ruft, fragen wir: Brauchen wir wirklich Ordnung? In Zerstreuung suchen wir nach Momenten, in denen Verbindung entsteht. Unser Arbeiten ist ein Suchen nach mehr Gemeinschaft im Leben, für Offenheit, Austausch und das Unfertige. 583 EURO WARM ist unsere erste Produktion.
Gefördert durch die Universität zu Köln
mit:
Luca Anthony, Lara Berenike Dabbous,
Philipp Joerres
Text und Regie:
Joelle Anouk Kannapin
Ausstattung und Artwork:
Glenda Helmhold
Kostüme:
Maya Anthony
Musik:
Philipp Joerres
Outside Eye:
Sophie Gundi Wickel