fünfzehnminuten Showcase

Seit Januar 2013 veranstaltet die studiobühneköln einmal jährlich fünfzehnminuten, das Nachwuchsfestival für Köln und NRW. Drei Tage lang präsentieren Künstler*innen aus Theater, Tanz, Performance, Musik, Film und Literatur ihre Arbeit – für jeweils fünfzehnminuten. Bei der diesjährigen Ausgabe von theaterszene europa präsentieren wir zum ersten Mal eine Auswahl von Beiträgen der letzten Jahre.

Since January 2013 studiobühneköln annually stages fünfzehnminuten, the festival for young talents from Cologne and North Rhine-Westphalia. For three days artists from the fields of theatre, dance, performance, music, film and literature present their work – for fifteen minutes each. At this year’s edition of theaterszene europa for the first time we present a selection of performances from the last years.


So., 20. Mai, ca. 22 Uhr

BASH
von Constantin Leonhard
Die Annäherung an das im Zentrum stehende Midi-Keyboard erfolgt vorsichtig und fragil. Langsam erweitert sich das Repertoire der abgespielten Samples von einem Schrei zu vielen, das Spiel am Piano wird ekstatisch, wie die Samples selbst. Absurde Komik und befremdliches Grauen verbinden sich zu einer mysteriösen Symbiose. Durch geloopte eingespielte Beats ergibt sich der Rhythmus, auf den nun einfache Gesten zu einer Choreografie verschmelzen. Die zur Klangfläche verschmolzenen Schreie treffen auf Bilder des realen Wahnsinns und des Rituals.

The approach towards the midi-keyboard in the centre happens carefully and fragile. Slowly the repertoire of samples develops from one scream to many; the playing of the piano becomes as ecstatic as the samples themselves. Absurd comedy and strange horror combine for a mysterious symbiosis. Looped beats define the rhythm that is the basis for a choreography of simple gestures. The screams that have merged into a sound surface clash into images of ritual and real insanity.


Mo., 21. Mai, ca. 22h

Die Geschichte der Badewanne
von Karl Luis Krauss Gang
Jeden Tag sterben 50.000 bis 100.000 Menschen an Hunger, Durst, Kälte und Diktatur. Macht nichts, denkt sich unser Hauptcharakter, und nimmt ein Bad. Wie schön baden doch ist! Wie wohltuend das Wasser plätschert und wie gemütlich es ist, in der Badewanne zu liegen. Welche Glückseligkeit! Alles andere vergessen! Die Welt um sich herum verdrängen! Blöd nur, dass Lora, sein Device, das anders sieht…

Every day 50.000 to 100.000 people die from hunger, thirst, cold and dictatorship. Never mind, our main character thinks, and takes a bath. How wonderful bathing is! How soothingly the water babbles! How cosy it is to lie in the tub. Such bliss! Forget everything else! Repress the world around you! Unfortunately Lora, his device, sees things differently…


Mi., 23. Mai, ca. 22:30h

Guerilla Soundbombing
von Muito Kaballa
Ein Mann zieht mit seinem Fahrrad etwas hinter sich her, das zunächst wie ein zu groß geratener Anhänger aussieht. Die Aufschrift: Muito Kaballa – Guerilla Soundbombing. Er hält an einer Straßenecke und beginnt, den Anhänger zu verwandeln. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es öffnen sich Deckel und Schubladen, es werden Instrumente aus dem Inneren der Kiste geholt, es offenbaren sich Synthesizer und Mikros, Trommeln und Trompeten, und immer, wenn man glaubt das wars, scheint sich in irgendeiner Ecke der Kiste noch ein kleines Spielzeug zu finden. Der Mann, der sich Muito Kaballa nennt, steht jetzt vor seiner Musikbox, umringt von einer Trompete, einem Saxophon, einer Querflöte, einer Gitarre und irgendwelchen Geräten und Pedalen, von denen man nicht so recht weiß, was sie machen. Ohne ein Wort zu sagen, beginnt er zu spielen. Eines der Pedale scheint eine Loopstation zu sein. Der Mann spielt und nimmt auf und beginnt sich zu vervielfachen. Es spielt nicht mehr nur eine Person, es spielen jetzt zwei Personen, gleich darauf vier, fünf, sechs und bald eine ganze Big Band. Die Musik erinnert hier und da an Afrobeat, schrammt aber auch am Jazz vorbei, hat ein bisschen was von Funk, entzieht sich aber sogleich der klaren Zuordnung – dann Stopp. Die Big Band verschwindet. Zu sehen ist nur noch der Mann. Er packt seine Sachen ein. Aus der merkwürdigen Musikbox wird wieder ein Fahrradanhänger. Muito K. fährt weiter…

A man is pulling something behind him with his bicycle that looks like a oversized trailer. The inscription reads: Muito Kaballa – Guerilla Soundbombing. He stops at a street corner and starts to transform the trailer. In the full sense of the word. Covers and drawers open up, instruments are taken from the inside of the box, synthesizers and microphones, drums and trumpets, and whenever you think that this has to be it, another small toy emerges from one of the corners of the crate. The man that calls himself Muito Kaballa now stands in front of his music box, surrounded by a trumpet, a saxophone, a transverse flute, a guitar and some devices and pedals. Without saying a word the man starts to play. One of the pedals seems to be a loop station. The man plays and records and seems to multiply. It is not one person playing anymore, it is two persons, then four, five six and soon it is a whole Big Band. The music reminds you of Afrobeat, whizzes past Jazz, incorporates a little bit of Funk, but escapes classification at the same time – then it stops. The Big Band vanishes. All that is left is one man. He packs up his things. The strange music box becomes a trailer again. Muito K. drives on…


Do., 24. Mai, ca. 22h

Samuel Horn & Markus Braun
Samuel Horn & Markus Braun spielen deutsche Songs mit Wurzeln in Pop und Jazz, von Begegnungen, vom Aufbruch und vom Innehalten. Eigene Songs wechseln sich ab mit »Lieblingsliedern«, die aus verschiedenen Sprachen ins Deutsche übersetzt sind. Samuel Horn spielt seit Jugendtagen Gitarre und lebt als Autor und Lektor in Köln. Markus Braun ist Jazzmusiker, Toningenieur und Produzent. Er lebt im Bergischen Land.

Samuel Horn & Markus Braun perform German songs that have their roots in Pop and Jazz. Songs about encounters, departure and pauses. Their own compositions alternate with “favourite songs” that have been translated from various languages into German. Samuel Horn plays the guitar since the days of his youth and lives as an author and editor in Cologne. Markus Braun is a jazz musician, sound engineer and producer. He lives in the Bergisches Land region.


Fr., 25. Mai, ca. 22:30h

BEST OF
von Silke Schuster
Following the wish / idea to create my own training with my own needs / interests – I literally took it on stage by combining different methods from different teachers / thinkers and creating a performative context within it. Fragments from Alain Badiou’s lecture “From Logic to Anthropology, or Affirmative Dialectics” are underlining my physical appearance as well as my inner choice making – a working method, a combination of thoughts which are outspoken but when there is silence the thoughts / the scores / the principles are constantly appearing and it is up to me to decide which thought I want to follow or to go against or how to find a transition from one principle to another.

Dem Wunsch / der Idee folgend, meine eigene Trainingsmethode mit meinen eigenen Bedürfnissen / Interessen zu entwickeln, brachte ich diese auf die Bühne, indem ich verschiedene Methoden verschiedener Lehrer*innen / Denker*innen kombinierte und darin einen performativen Kontext erschuf. Fragmente aus Alain Badious Vorlesung “From Logic to Anthropology, or Affirmative Dialectics” unterstreichen meine physische Erscheinung ebenso wie meine inneren Entscheidungsprozesse – eine Arbeitsmethode, eine Kombination von Gedanken, die ausgesprochen werden, aber wenn geschwiegen wird, erscheinen die Gedanken / die Partituren / die Prinzipien konstant und es ist mir überlassen zu entscheiden, welchem Gedanken ich folgen oder widersprechen will oder wie einen Übergang von einem Prinzip zum anderen finden.

fünfzehnminuten- Shows finden je nach Witterung im Garten oder in der Schmiede statt. Der jeweilige Ort wird kurzfristig bekannt gegeben. Eintritt frei.

fünfzehnminuten-shows will take in the garden or in the Schmiede basement. The venue will be announced on short notice. Free admission.