BURN OUT CITY

eine Produktion von kainkollektiv (Bochum)

Termin: 10. Juni, 20h

In BURN OUT CITY geht es am Beispiel der zu Krakau gehörenden Arbeiterstadt Nowa Huta um die Frage, welche Geschichten des Widerstands sich heute in den erschöpften Industrie-Stadtlandschaften Europas erzählen bzw. welche Gesänge sich darin anstimmen lassen: Burn Out Songs? Welchen (Neu-)Aufbruch können sie intonieren in Regionen, denen der Niedergang nachgesagt wird?
Nowa Huta ist eine sozialistische Arbeiter-Planstadt, die Stalin zu Füßen der alten Kulturmetropole Krakau errichten ließ. In diesem Sinne war Nowa Huta stets eine urbane Fiktion, von der Gründung im Jahre 1949 bis in die post-industrielle Gegenwart hinein. Heute hat die einstige Stahlstadt ihre Funktion verloren, seit die Stahlindustrie in den letzten zwanzig Jahren ihren Niedergang erfahren hat. Kainkollektiv hat in diesem geopolitischen Brachland ein doku-fiktionales Stück erfunden, eine globale Oper, in der die Figur Edward Joseph Snow(den) versucht, der weltumspannenden (digitalen) Kontrolle zu entkommen, indem er Nowa Huta und seine Geschichte in eine Art dream city für politische outlaws verwandelt, irgendwo zwischen der realen und der digitalen/virtuellen Welt. Mit der Hilfe dreier Hexen (die aus Shakespeare’s Macbeth abgehauen sind) reist Snow durch die Zeit, in die Geschichte und Zukunft Nowa Hutas. Er durchkreuzt historische, filmische, politische und traumhafte Versionen von Nowa Hutas Vergangenheit und landet in einer nahen Zukunft, wie die Stadt Krakau sie sich derzeit tatsächlich ausmalt: in der futuristischen Vision Nowa Huta II, einem Technologie- und Kontrollzentrum auf dem Gelände der alten Industriebrache. In einem Sprung ins Jahr 2029 versucht Snow diese technologische Vision in seine eigene zu transformieren: in die halb reale, halb digitale Utopie einer Stadt für politisch Verfolgte: SNOWA HUTA. Allerdings scheitert diese Vision am Ende, weil Europa sich in einen kalten Kontrollstaat verwandelt hat, in dessen Landschaften einer neuen politischen Eiszeit der Einzelne verloren geht. BURN OUT CITY ist ein dunkles Märchen über die vergessenen Landschaften und aktuellen Lebensbedingungen in West-/Ost-Europa im Zeitalter der Globalisierung.

mit: Łukasz Stawarczyk, Carsten Langer, Florian Lauss, Kerstin Pohle, Ina Sladic
Inszenierung: kainkollektiv
Video: Nils Voges, Edith Voges Nana Tchuinang
Bühne: herrwolke
Ausstattung: Karolina Mazur
Dramaturgie: Patrycja Kowańska
Produktionsleitung / Dramaturgie: Mina Novakova
Kameramann: Jacob Voges

Eine Produktion von kainkollektiv in Koproduktion mit dem Ringlokschuppen Ruhr und dem Teatr Łaźnia Nowa, Krakau. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V.- aus Mitteln des Bundes, die Robert Bosch Stiftung und das Internationale Theaterinstitut im Programm ‚Szenenwechsel‘, das Goethe Institut Krakau und die Kunststiftung NRW