PLURIVERSALE VII

Rima Kamel
eine Produktion von Rabih Mroué
Arabisch mit englischen und deutschen Übertiteln
Anschließendes Gespräch in englischer Sprache

Termin:
12. Oktober, 20h
TICKETS 15,- € / 7,- € ermäßigt

In Rima Kamel folgt Rabih Mroué den Spuren der frühen Karriere der libanesischen Sängerin Rima Khcheich, die sich erstmals als Rima Kamel einen Namen machte, ein Kinderstar der klassischen arabischen Musik. Mroué schickt Khcheich auf eine Reise in die Vergangenheit und zeigt, wie eng die persönliche Biografie mit einer komplexen, oft tragischen Geschichte verwoben ist. Anhand einer Reihe von Erinnerungsstücken, Songs und VHS-Aufnahmen denkt Khcheich daran zurück, wie sie in Zeiten des Bürgerkriegs zur „Stimme der Nation“ wurde, wie ihr Status als Flüchtling aus dem Süden des Landes für politische Propaganda ausgenutzt wurde – und wie man ihren Liedern vorwarf, mehr ägyptisch als libanesisch zu sein, mit einer Nähe zu dem umfassenderen Konstrukt einer panarabischen Identität und somit letztlich nicht national genug. Rima Kamel erzählt die Coming-of-Age-Geschichte der Person und der Künstlerin Rima Khcheich ebenso wie die ihrer Emanzipation aus der Enge einer patriarchalischen Gesellschaft, die zwischen Tradition und Moderne gefangen ist. Im Anschluss an die Vorstellung findet eine Diskussion zwischen Rabih Mroué, RIMA KHCHEICH und DANIJEL ĆUBELIĆ statt.

 

WIEDERANEIGNUNG UND WIEDERGUTMACHUNG
ein Vortrag von Kader Attia
In englischer Sprache

Termin:
14. Oktober, 18h
TICKETS 3,- €

In seinem Vortrag gibt Kader Attia, Künstler und Akademiemitglied, Einblick in seine fortlaufende Arbeit mit Objekten, die von Traumata und traumatischen Akten der Wiederaneignung gezeichnet sind: silberner Brautschmuck, der von Partisanen im algerischen Unabhängigkeitskrieg eingeschmolzen wurde, um Kalaschnikows zu bezahlen, seltsame Artefakte aus Maschinenteilen und Patronenhülsen, die von gelangweilten Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs zusammengeschweißt wurden, oder nordafrikanische Popmusik aus den 60er Jahren, die Blues- und R’n’B-Elemente übernommen hat, um sie zu etwas ganz Eigenem weiterzuentwickeln. Attia spürt der Genealogie der Wiederaneignung nach – von der ersten Erwähnung des Begriffs beim anarchistischen Philosophen Pierre-Joseph Proudhon über Oswald de Andrade, den brasilianischen Theoretiker der Anthropophagie, bis hin zum antikolonialen Denken Frantz Fanons. Ausgehend davon analysiert er die weitere Entwicklung des Phänomens der Wiederaneignung bis in die Gegenwart hinein, in der Männer und Frauen instinktiv versuchen, die Freiheit zurückzuerobern, die ihnen genommen wurde. Dabei wirft er die Frage auf, ob es nicht gerade die Fähigkeit zur Nachahmung ist, die das Überleben der Menschheit ermöglicht. Auf den Vortrag folgt ein Gespräch zwischen Kader Attia und EKATERINA DEGOT.

KÜNSTLERISCHE FREIHEIT UND KULTURELLE AUTHENTIZITÄT
ein Vortrag von Hari Kunzru
in englischer Sprache

Termin:
14. Oktober, 19:30h
TICKETS 3,- €

Ungefragt auf das Gebiet des Anderen vorzudringen, ist eine Grundlage schriftstellerischer Arbeit, so die These des Autors Hari Kunzru. Der Appell, sich nicht zu „kultureller Aneignung“ hinreißen zu lassen, gleiche einem Ruf nach Zensur oder bestenfalls einer Aufforderung zur Selbstzensur, zur Einschränkung der künstlerischen Freiheit. Sich in andere subjektive Welten und Erfahrungen hineinzuversetzen, so Kunzru, ist für Romanautoren eine ethische Notwendigkeit und dabei zugleich eine Herausforderung mit allen erdenklichen Fallstricken und Stolpersteinen. Kunzrus jüngster Roman White Tears (2017) verhandelt all diese Themen. Zugleich Geistergeschichte und unheimlicher Kriminalroman, bietet das Buch eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Thema „Rasse“ und ist eine Liebeserklärung an die genialen, aber in Vergessenheit geratenen Musiker des Mississippi-Delta-Blues – einer in der Sklaverei wurzelnden und von der Musikindustrie vereinnahmten Stilrichtung. Kunzrus Roman ist eine Parabel, in der die Geschichte selbst an dieser Enteignung Rache zu nehmen scheint. Akademiemitglied DAVID RIFF diskutiert mit Hari Kunzru über das Verhältnis von künstlerischer Freiheit und kultureller Authentizität in einer Zeit, in der Andersdenkende jeder Couleur mit der schlichten Forderung nach kultureller Authentizität zum Schweigen gebracht werden.

DRAPETOMANIA
ein Konzert von Filastine & Nova

Termin:
14. Oktober, 21h
TICKETS 12,- €

Drapetomania heißt das neue kollaborative Werk des Multimedia-Duos Filastine & Nova. Der Begriff spielt auf das gleichnamige „Krankheitsbild“ aus dem 18. Jahrhundert an, mit dem der Drang der versklavten Arbeiter zur Flucht bezeichnet wurde. In ihm spiegelt sich das Programm des neuen Albums der beiden Künstler wider, und er umschreibt zugleich die Fähigkeit des Duos, sich jeder Kategorisierung zu entziehen durch eine künstlerische Praxis, die Ton, Video, Design und Tanz mit einem aktivistischen Anliegen kombiniert. Zu ihren jüngsten Interventionen gehört ein Schwarm wütender Tiergeräusche beim Pariser Klimagipfel und eine Performance im Flüchtlingslager „Dschungel von Calais“. Ihre Musik basiert auf der Globalisierung des Dubstep und kombiniert afro-brasilianische und nordafrikanische Beats sowie Rap und Soul-Vocals mit Feldaufnahmen, die auf Reisen in improvisierten Studios zusammengestellt wurden. Psychedelic Trap, tropischer Post-Folk und Punkethos treffen aufeinander, wenn sich Filastine & Nova das heikle, entpolitisierte Gebiet der Weltmusik wiederaneignen und einen Notausgang für das Anthropozän heraufbeschwören.

Kombiticket Kader Attia und Hari Kunzru: 3,- €
Kombiticket ganzer Abend: 12,- €
Kombitickets nur an der Abendkasse erhältlich

Gastspiele im Rahmen der „PLURIVERSALE VII“ der Akademie der Künste der Welt