Rainer Werner Fassbinder – Blut am Hals der Katze

Phrasen, Lebenslügen oder zeitloser Zeitgeist- eine Replik

„Blut am Hals der Katze“, entstanden 1971, erzählt die Geschichte von Personen unseres Alltags wie z.B. des Mädchens, des Fleischers, der Geliebten und des Polizisten und verbindet sie durch das Auftreten der Kunstfigur Phöbe Zeitgeist. Ein Stück über Sehnsüchte, Erfahrungen und seelische Verletzungen. Dieses Stück, das die Liebe, die Moral, Bedürfnisse und das individuelle Streben nach Glück auf eine ganz eigene Art und Weise untersucht und durchleuchtet, gibt Raum fürs Weiterdenken. Was bewegt die Figuren, was wünschen sie sich, wovor haben sie Angst? Falschheit und Doppelzüngigkeit der handelnden Personen lassen ein Gesellschaftsbild entstehen, das auf Lüge, Betrug und Täuschung zu beruhen scheint. Und hier wird es spannend. Was erzählt uns das Gestern über das Heute? Die  Gesellschaftsstudie Rainer Werner Fassbinders lässt uns das Heute begreifen, in dem der Einfluss der neuen Medien, insbesondere der sozialen Netzwerke, zu einer Veränderung der politischen Meinungsbildung führt. Manipulation als schleichender Prozess. Vor allem in der westlichen Geschichtswissenschaft gelten die 70er Jahre heute als eine Zeit von Krisen, Umbrüchen und Veränderungen.

Drama und postdramatisches Theater scheinen auf den ersten Blick im Widerspruch zueinander zu stehen. Es wird der Frage nachgegangen, welche Prozesse bei einer Stückentwicklung wichtig werden können, und in welcher Form ein Drama als Impulsgeber dienen kann, insbesondere, wenn postdramatische Theaterformen als Ergebnis der Stückentwicklung angestrebt werden. Das postdramatische Theater grenzt sich vom traditionellen Sprechtheater ab, es bietet eine zeitgenössisch, performancenahe Form des Theaters. Gesellschaftliche Ereignisse, aktuelle soziale Themen sollen reflektiert werden. Welche Mittel bietet das Theater, welche Medien können Nachdruck verleihen? Das Stück von Rainer Werner Fassbinder wird in Bezug auf diese Fragestellungen untersucht. So können die Fassbinder- Figuren der 70er Jahre mit ihren Geschichten aufrütteln und mit ihren Stimmen zum Ausgangspunkt einer postdramatischen Stückentwicklung werden. Eine Auseinandersetzung mit dem Gestern, um vielleicht das Heute besser verstehen zu können.

Der Kurs wird über zwei Semester stattfinden (Sommersemster 2019/ Wintersemester 2019/20)und in einer Produktion enden, die Anfang 2020 an der studiobühneköln Premiere haben wird. Zu diesem Kurs sind Studierende eingeladen, die bereits Theatererfahrung gemacht haben, der Schwerpunkt liegt auf individueller Rollenarbeit in Verbindung mit weiterführenden Schauspielgrundlagen. Hauptbestandteil neben der individuellen Rollenarbeit wird die Entwicklung einer abendfüllenden Theaterproduktion sein.

Termine:
11. April, 18-20h
18. April, 18-20h
25. April, 18-20h
2. Mai, 18-21h
16. Mai, 18-22h
23. Mai, 18-21h
13. Juni, 18-20h
22. Juni, 12-18h
4. Juli, 18-20h
Maximal 14 Teilnehmer*innen.

Anmeldung beim Infoabend oder per Mail an b_frederike@web.de
Leitung: Frederike Bohr